Die Baugeschichte der Dorfkirche Britz in Bildern und Plänen

18. Jahrhundert

Die frühesten Darstellungen der Dorfkirche Britz zeigen diese als markantes Motiv in malerischer Umgebung. Die zumeist grafischen Arbeiten entstanden in der Hertzberg-Zeit. Ewald Friedrich Graf von Hertzberg (1725-1795) war von 1753 bis zu seinem Tod Gutsherr und Kirchenpatron in Britz.

  • Christian Bernhard Rode, Gegend in Britz, um 1773, Kupferstich Museum Neukölln

Christian Bernhard Rode, Gegend in Britz, um 1773, Kupferstich

Museum Neukölln

In Rodes Blatt ist die Dorfkirche von Südosten aus zu sehen. Hoch ragt der spitze Helm des 1713 errichteten Dachturms auf. An das Kirchenschiff des 14. Jahrhunderts schließt sich im Osten die 1766 erbaute Grabkapelle Ewald Friedrichs von Hertzberg an. Am Chor* ist ein Anbau, die sogenannte Leichenhalle zu erkennen. Große, nicht mehr bauzeitliche Rundbogenfenster, sind an Langhaus* und Chor auszumachen. Hell und ohne Schraffuren ist die Kirchhofsmauer dargestellt. Die Mauer begrenzt den Friedhof und zugleich einen herrschaftlichen Garten zwischen der Kirche und dem Herrenhaus „Schloss Britz“. Die großen Nischen in der Mauer wurden als Pflanznischen genutzt. 

  • Friedrich Gottlieb Berger, Aussicht von Britz Kupferstich nach einem Gemälde von Christian Bernhard Rode 1780 Museum Neukölln

Friedrich Gottlieb Berger, Aussicht von Britz
Kupferstich nach einem Gemälde von Christian Bernhard Rode 1780
Museum Neukölln

Bergers Stich zeigt die Kirche von Nordwesten aus. Der Giebel aus Feldstein ist bis zum Turm hochgezogen und weist keinerlei Öffnungen auf. Die Ansicht lässt den Chor nicht erkennen. Der östliche Anbau ist die Grabkapelle Ewald Friedrichs von Hertzberg.

19. Jahrhundert

  • Elise Moutour, Foto eines Gemäldes, um 1870 Evangelische Kirchengemeinde Britz Dorf

Elise Moutour, Foto eines Gemäldes, um 1870

Evangelische Kirchengemeinde Britz Dorf

Moutour versetzte die Kirche in eine schaurige Umgebung. Das Gebäude selbst ist recht genau erfasst. Das Gemälde zeigt den hölzernen Dachturm, der 1842 den früheren Turm aus Stein ersetzte. Der zeitgleich erneuerte Westgiebel schließt mit einem Holzgesims ab. Die südliche Langhauswand öffnet sich in paarigen Fenstern. Gut erkennbar sind ein Südportal und die sogenannte Leichenhalle am Chor. Die Hertzberg-Kapelle ist hinter Bäumen zu erahnen.  
 

Der große Umbau 1888

Julius Wrede (1822-1895) ließ 1888 die Dorfkirche Britz erweitern und neugotisch umgestalten. Ein hoher Turm sowie betonte Fenster und Portale verliehen dem Gebäude die Anmutung einer Stadtkirche. Der neu erbaute Turm bot die Möglichkeit, eine Grabnische sowie eine Gruft für die Familie Wrede anzulegen. Julius Wrede, seit 1865 Gutsherr und Kirchenpatron in Britz, kam für die Gesamtkosten des Umbaus auf. Eine damals neu erbaute Orgel finanzierte die Gemeinde selbst.

 

Die umfangreichen Baumaßnahmen wurden nach Entwürfen des Architekten und Geheimen Baurats Carl Busse (1834-1896) ausgeführt. Busse war der Sohn des bekannten Architekten Ferdinand Busse (1802-1886). Mit der Familie Wrede war er verwandtschaftlich verbunden.

  • Umbau der Kirche in Britz, Genehmigungsplan, 1888 Elab 11003/127, Rep. I

Umbau der Kirche in Britz, Genehmigungsplan, 1888

Elab 11003/127, Rep. I

Der Plan vereint Grundrisse, Schnitte und eine Westansicht. Der Bestand ist blau, die Veränderungen sind rot markiert. Im Turm sind die Grabnische der Familie Wrede und die unterirdisch angelegte Gruft zu erkennen. Das erste obere Turmgeschoss war für die Orgel vorgesehen, die auf diese Weise aus dem Kirchenschiff herausgerückt werden konnte. In Langhaus und Chor schließt sich der Decke eine Holzkonstruktion mit gerahmten Wandfeldern an. Diese waren für Sgraffitomalereien*, unter anderem für Darstellungen der zwölf Apostel vorgesehen.

Dem Plan entsprechend wurde der Bau ausgeführt.

  • Südostansicht der Dorfkirche Britz, 1930 Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (05) Nr. 0314005 / Foto: k.A.
  • Blick in den Chor, Anfang 1940er Jahre, Evangelische Kirchengemeinde Britz Dorf
  • Blick auf die Westwand mit Orgelempore, 1937, Evangelische Kirchengemeinde Britz Dorf

links: Südostansicht der Dorfkirche Britz, 1930; Evangelische Kirchengemeinde Britz Dorf          
Mitte: Blick in den Chor, Anfang 1940er Jahre; Evangelische Kirchengemeinde Britz Dorf                
rechts:
Blick auf die Westwand mit Orgelempore, 1937; 
Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (05) Nr. 0314005 / Foto: k. A.           

20. Jahrhundert

1955-1959 wurde die Dorfkirche in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt Berlin instandgesetzt und umgebaut. Ziel der Neugestaltung war es, dem Gebäude wieder einen schlichteren Charakter zu verleihen. Hinzu kam, dass die Neo-Stile des Historismus nicht dem damaligen Zeitgeist entsprachen. 
Der Turm wurde nach seiner Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg in reduzierter Form wieder hergestellt. Im Langhaus und Chor entfernte man die hölzernen Einbauten und Formziegelrahmungen von 1888. Das Rundfenster im Chorgiebel wurde von innen zugemauert. Eine neue, dreiseitige Empore wurde eingezogen und sowohl das Langhaus als auch der Chor erhielten eine Tonnendecke aus Holz. Der bis auf weiteres letzte große Umbau der Britzer Dorfkirche wurde nach Entwürfen des Architekten und Regierungsbaumeisters Friedrich Mellin (1891-1968) realisiert.

West- und Ostansicht, Friedrich Mellin, 1957 Foto: Evangelischer Kirchenkreisverband Süd

West- und Ostansicht, Friedrich Mellin, 1957

Foto: Evangelischer Kirchenkreisverband Süd

  • Blick in den Chor, 1959, Foto: Evangelischer Kirchenkreisverband Süd
  • Westansicht, 1975, Foto: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (05) Nr. 0188469 / Foto: Schubert, Karl-Heinz

Blick in den Chor,                Westansicht,1975
1959
Foto links: Evangelischer Kirchenkreisverband Süd       
Foto rechts: Landesarchiv Berlin, F Rep. 290 (05) Nr. 0188469 / Foto: Schubert, Karl-Heinz 

 

Texte und Bildrecherchen: Cornelia Hüge, Kunsthistorikerin (M.A.) und freie Autorin.