Wochenspruch für die Woche ab dem 5.4. 2020:
 
Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben." | Joh 3,14b.15
 
Erhöht - das klingt entweder royal oder religiös, jedenfalls irgendwie erhaben. Aber hier wird weder ein König noch ein Gott erhöht. Es ist der Menschensohn, der Sohn eines Menschen - also kurz: der Mensch - der erhöht wird. Ben Adam, der einzige Titel, den Jesus laut den Evangelien für sich selber in Anspruch genommen hat. Jesus, der Mensch, wird erhöht. Johannes spielt hier mit dem schönen Wort erhöht, aber das Bild des Geschehens, das da eigentlich stattfindet, ist so gar nicht schön, sondern ein Bild der grausamsten Folter, ein Bild des Mordes und des Unrechts: Das Kreuz ist es, an dem Jesus erhöht wird. Das Kreuz, der Mord, das Unrecht, das Scheitern - das ist für Johannes schon zu Beginn des Evangeliums die Erhöhung, die Offenbarung. Das ist viel mehr als ein klassisches: sich-etwas-schön-reden. Obwohl die Sprache des Johannes-Evangeliums berückend schön und poetisch ist. Nein, das geht darüber hinaus, das hebt das Geschehen auf eine andere Ebene, schaut sozusagen durch das vordergründig sichtbare Geschehen hindurch und sieht darin noch etwas ganz anderes geschehen. Und das können wir jetzt in der Karwoche besonders üben: still werden, hindurch sehen, fragen, was wirklich ist, zusammen mit den Opfern von Gewalt und Unrecht aushalten. Und dann können wir in einer Woche wirklich ahnen, was Osterfreude sein kann.
 
Wochenspruch für die Woche ab dem 29.3. 2020:
Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. | Mt 20,28
 
Dienen oder sich dienen lassen, was ist groß? Groß ist doch der, der anderen sagt, wo es lang geht, oder? Vielleicht geht es gar nicht um groß sein oder groß tun. Da steht nicht König und auch nicht Messias, sondern Menschensohn. Auf Hebräisch: Ben Adam. Und das wird bis heute im Hebräischen gesagt für: Mensch. Das ist der einzige Titel, von dem in den Evangelien behauptet wird, dass Jesus den selber für sich in Anspruch nimmt. Menschensohn, der Sohn eines Menschen, Mensch. Anderen dienen, sich selber hinten an stellen, sich selber hingeben. Klingt altmodisch. Aber was wäre denn sich dienen lassen? Sagen, wo es lang geht, Planen, alles im Griff haben. Wir merken im Moment, wie wenig wir alles im Griff haben, wie schnell alle unsere Pläne Makulatur sind, wie wir doch wesentliche Dinge nicht mit unserem Willen machen können. Vielleicht ist sich dienen lassen wirklich nicht das Gebote der Stunde. Nicht der Stärkste sein wollen, nicht alles kontrollieren und lenken wollen. Sich hingeben an das, was ist, an die, die mich brauchen - das ist das, was der Mensch tun kann. Das ist das, was Jesus für uns alle tut. Jesus, der Mensch, wie er sein soll.
 

 

Wochenspruch für die Woche ab dem 22.3.:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Joh 12,24

Dieser Wochenspruch steht über dieser neuen Woche. Und Gottesdienst-Liebhabern fällt das Lied ein: Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt. Das Bild leuchtet sofort ein: das Korn, das in die Erde gesät wird, ist für uns zum Mehl-Mahlen und Backen verloren. Die Erde, in die etwas gesät wurde, sieht leer, kahl und tot aus. Da passiert nichts. Und unsichtbar passiert doch so viel - und dann später wird es sogar sichtbar. Von wegen tot und verloren! Aus dem Saatkorn wächst neues Leben. Hätte man das gesamte Getreide zu Mehl verarbeitet, hätte es nun kein neues Getreide gegeben. Jesus sagt zu seinen Freunden beim Abschied sinngemäß: Ihr seid traurig, dass ich dann nicht mehr bei euch bin. Aber es ist gut, dass ich dann nicht mehr so bei euch bin, wie jetzt, denn sonst könnte ich euch den Gottes-Geist nicht senden, den Tröster.

Wenn etwas Neues wachsen soll, muss oft etwas anderes vergehen - oder verwandelt werden. Und dann singen wir mit dem oben zitierten Lied: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 
 
Wochenspruch für die Woche ab dem 15.3.:

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Lk 9,62

Dieser Wochenspruch hätte über dem Gottesdienst gestanden, den wir dann schon gar nicht mehr gefeiert haben. Um Konzentration geht es da, Konzentration auf das Wesentliche, Konzentration auf das eine, was man gerade tut, auf das, was jetzt gerade dran ist. Nicht sich zerfleddern in Terminen, nicht Telefonat und mails gleichzeitig, Kochen und Abwasch gleichzeitig - sondern eine Sache, die aber richtig, voll und ganz, ohne wenn und aber. Wenn man sich auf das Pflügen nicht konzentriert, kann der Pflug ein gefährliches Eigenleben entwickeln. Konzentration und Lassen ist ja auch ohnehin das Thema der Fastenzeit: entweder man lässt ganz klassisch bestimmte Lebensmittel weg, verzichtet auf Fleisch, auf Alkohol, auf Süßes - oder man denkt sich andere Besonderheiten für diese 7 Wochen aus: Kein Fernsehen oder regelmäßige Familienzeit. Immer geht es darum, sich selber und seine Gewohnheiten zu beobachten, zu überdenken, zu ändern, sich dessen bewußt zu werden, was man wann tut oder ißt. Und nun sind wir auf einmal in eine ganz spezielle Art der Konzentration geworfen. Jetzt ist eine Zeit, in der wir nochmal ganz neu denken können, wie sonst unser Alltag so aussah, auf was wir uns überhaupt noch richtig konzentrieren konnten - und welchen Weg wir vielleicht einschlagen wollen.